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Wörterbucheinträge

uffforderenSemantische Klasse Kasselsch

Hochdeutsch: auffordern gereizt herausgefordert
  1. auffordern: kasselsch oft: herausgefordert, gereizt zu etwas
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uffmachenSemantische Klasse Kasselsch

Hochdeutsch: aufmachen öffnen
  1. aufmachen, öffnen (welches letztere der Kasseläner nie gebraucht)
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uffraffenSemantische Klasse Kasselsch

Hochdeutsch: aufraffen
  1. aufraffen: kasselisch auch: "Liese wo uffraffen": irgendwo Läuse an sich bekommen
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uffwahrdenSemantische Klasse Kasselsch

Hochdeutsch: aufwarten
  1. aufwarten: kasselisch: "glich uffwahrden": sofort bereit sein
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UnglickerSemantische Klasse KasselschSemantische Klasse Anekdote

Hochdeutsch: Unglücke
  1. kasselscher Plural für Unglück: "Hahlt't mech oder ich fange Unglicker ahn": Haltet mich, oder ich stelle ein Unglück an (Der das sagt, ist weder durch Mut noch Kraft in seinem Zorne gefährlich.)
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usblosenSemantische Klasse Kasselsch

Hochdeutsch: ausblasen
  1. ausblasen
  2. "den Howwel usblosen" (in der AltstadtLandkarteExterner Link "Rubel"), das Lebenslicht
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UsbundSemantische Klasse SchimpfwortSemantische Klasse Kasselsch

Hochdeutsch: Ausbund
  1. Ausbund (als Vorzüglichstes, im Hochdeutschen meist im günstigen, selten im übeln Sinne; im Kasselänschen fast nur im letzteren Sinne). "Äs es Ihnen (Spur vom Sächsischen) en Usbund vun Nexnutzigkeit": Sie ist ein Ausbund von Nichtsnutzigkeit
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WeckewerkSemantische Klasse KasselschSemantische Klasse KücheSemantische Klasse Anekdote

  1. Wurstgehacktes mit Semmel drunter geknetet (NB. Auf einem einliegenden Zettel notiert sich Heinrich Jonas noch folgende Zusammensetzungen: Kennerwerk, Klapperwerk, Merwelwerk, Nachdwerk, Spälwerk, Zockerwerk, Mullwerk, Beddewerk, Blagenwerk, (In)Duckewerk, Griemelwerk, Mewelwerk, Inschlachdewerk, Schlachdewerk, Schnuckewerk.)
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WormmehlSemantische Klasse SchimpfwortSemantische Klasse RedensartSemantische Klasse Kasselsch

Hochdeutsch: Wurmmehl
  1. "Ech schlahe (drecke) 'n ze Wormmehl": ich schlage (drücke, zerdrücke) ihn zu Wurmmehl; eine Kasselsche Drohung für: einen vernichten, zu Tode prügeln
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wuhlenSemantische Klasse Kasselsch

Hochdeutsch: wühlen arbeiten erwerben
  1. wühlen, kasselsch meist: unablässig arbeiten, erwerben
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ZieweSemantische Klasse KleidungSemantische Klasse KasselschSemantische Klasse Zeitgeschichte

  1. enganschließende (Zieh-)Haube der Kasselschen Frauen im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts (beim Abendmahl und dergl.); vgl. Karnedde
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ZisselSemantische Klasse KasselschSemantische Klasse ZeitgeschichteSemantische Klasse Anekdote

  1. wilde, rohe Musik, ausgeführt von einer Anzahl Dilettanten, d.h. mit improvisierten Instrumenten, nebst Illumination in Biergärten, besonders auf dem "Bunten BockLandkarte" und auf der Fulda großes Sandschiff und an dreißig kleine Kähne. (Im Anfang der 1850er Jahre, als wir unter der "Mißregierung" so "unglücklich" waren).18

Anmerkung 18: Zissel: Name, Herkunft und Alter des Zissels sind immer noch nicht restlos geklärt. Das Wort scheint nur für Kassel belegt zu sein. Wenn Grassow das Zeitwort "zisselen" mit "zerstreuen, verzetteln" erklärt, so läßt sich diese Bezeichnung auch auf die auf dem Wasser zerstreuten Schiffe beziehen. Die in den letzten Jahren oft in der Presse aufgestellte Behauptung, daß die Gilde der Kasseler Schiffer und Fischer schon vor 600 Jahren im Sommer ihren Zissel gefeiert hätte, entbehrt jeder Grundlage. Die Kasseler Fischer und Schiffer sind urkundlich weder als Gilde besonders in Erscheinung getreten, noch ist ein solcher festlicher Brauch für so frühe Zeit irgendwie belegt. Ebenso abwegig ist die Behauptung, der Zissel sei die von den Fischern und Schiffern gefeierte Kirmes der 1526 abgebrochenen Cyriakuskirche auf dem Marställerplatz gewesen, wobei man Zissel sprachlich mit Cyriakus in Verbindung bringen wollte. Völlig undiskutabel ist auch der Versuch, das Wort Zissel zu der slawischen Mondgöttin Ziselbog in Beziehung zu bringen. Man hat dann auf Wasservergnügungen des Hofes, und deren spätere Nachahmung durch die Bürgerschaft hingewiesen, aber auch das ohne zwingende Begründung. Aus den Aufzeichnungen des am Kasseler Altmarkt wohnenden Kaufmanns Sattler wissen wir, daß man schon zu Ende des 18. Jahrhunderts auf einem flußaufwärts gezogenen Sandkahn mit Familie und Gästen Vergnügungsfahrten nach Freienhagen und anderen an der Fulda gelegenen Orten unternahm, wobei anzunehmen ist, daß bei eintretender Dunkelheit die Kähne auch beleuchtet wurden. Wir kennen auch eine Federzeichnung des Kasseler Malers Ludwig Emil Grimm, die eine solche vergnügliche Wasserfahrt mit Musik aus dem Jahr 1845 darstellt. In Kasseler Tageszeitungen der 1860er Jahre wird wiederholt Ende Juli oder Anfang August zu abendlichen Wasserfahrten auf der Fulda eingeladen, zu denen man am Eingang zur Karlsau beim Aupförtner und Gastwirt Ost einstieg. So berichtet die "Casseler Tagespost" vom 30. Juli 1863: "Dienstagabend hatte die bis jetzt noch immer in magisches Dunkel gehüllte "Chatouile" unter dem Zudrange unzähliger Schaulustiger sich in magische Beleuchtung gesetzt. Auf der Fulda schwamm, reizend illuminiert vom Bord bis zu der Mastspitze, das Admiralschiff der Gesellschaft und wurde von einer bedeutenden Anzahl kleinerer Fregatten und Linienschiffe begleitet. Musik wechselte mit Gesang, Raketen, Feuerrädern, Leuchtkugeln und bengalischem Feuer ab, und hauptsächlich war es letzteres, welches das dunkle Grün der Karlsaue, die altertümlichen Häuser am Ufer der Fulda und die Tausende von Zuschauern in herrlichem Glanze erscheinen ließ. Der ins Dunkle gehüllten Gesellschaft für diese Lichtblicke im Kasseler Leben den "besten Dank!" Aus den Akten der 1830 gegründeten Kasseler "Liedertafel" geht hervor, daß diese u. a. auch Ausflüge nach Freienhagen unternahm, von wo man zu Schiff unter Fackelschein zurückkehrte. Es sei noch erwähnt, daß auch Lüttebrandt ("Gasgenaden un Schmaguggen", 2. Aufl. S. 144) gleich Grassow den Zissel nicht nur auf Wasserfahrten beschränkt, wenn er ihn definiert als "Veranstaltung irgend welcher Lustbarkeit. Früher Volksbelustigung mit Kahnfahrt auf der Fulda in beleuchteten Schiffen". Mit der Zeit kamen diese bescheidenen Wasserfahrten mehr und mehr in Vergessenheit, bis um 1911 die am Fuldadamm gelegenen Badeanstalten und Schwimmvereine ihre mit abendlicher Illumination und Beleuchtung der Kähne verbundenen Vereinsfeste begingen, an denen in wachsendem Maße auch die Bevölkerung teilnahm. Am 8. August 1926 wurde der offiziell so genannte "Kasseler Zissel" nach langer Unterbrechung unter Mitwirkung des Verkehrsamtes in veränderter Form zu neuem Leben erweckt. Aus der alten Wasserkirmes von damals wurde eine großzügige Apotheose des gesamten Kasseler Wassersportes unter Verwertung der modernen Feuerwerks- und Beleuchtungstechnik, ein Strandfest mit Illuminierung der Boots- und Klubhäuser sowie der zugehörigen Schiffe. Dieses Fest mit seiner zauberhaften Beleuchtung war somit, zugleich als vornehme Fremdenwerbung, zu einem wirklichen Volksfest geworden. Seit 1933 wurde dann der Zissel in einen immer breiteren Rahmen gespannt. Man stempelte ihn zum Heimatfest der gesamten Stadt, zum "Lichtfest der Hunderttausend" und rückte dabei auch die Altstadt in den Mittelpunkt der Veranstaltung. Das Fest wurde auf dem Marställerplatz unter Läuten der Marstallglocke mit dem "Zisselvorgeschmack" eröffnet, wobei man einen ganzen Hering in das Gehege der Zähne versenkte. Als Symbol des Durstes wurde am Rondel ein über drei Meter langer Hering feierlich gehißt, der in verkleinerter Form als Festabzeichen getragen wurde. Dem allen machte der zweite Weltkrieg ein jähes Ende. Da sich vermutlich Näheres über Ursprung und Alter des Zissel nicht mehr ermitteln läßt, seien nachfolgend noch einige Beantwortungen einer von mir 1937/38 angestellten Rundfrage angeführt. Herr Architekt Franz Zahn teilte mir mit, der frühere Besitzer des "Dörfchens" in der Unterneustadt, Zahn, habe seinen Kindern erzählt, daß der Zissel von den Schiffern und Fischern der Fulda gefeiert wurde; wahrscheinlich hätten sich dann auch die Stammgäste des "Dörfchens" beteiligt. Der verstorbene Justizrat Wilhelm Landgrebe, ein guter Kenner der Kasseler Verhältnisse, schrieb mir: "Wäre die Bezeichnung 'Zissel' eine von alter Zeit überkommene, so würde ich, der ich 74 Jahre in Kassel gewesen und von 1863 bis 1887 am Pferdemarkt gewohnt habe, doch sicher einmal davon gehört haben. Ich kenne den Zissel nur seit den letzten Jahren, in denen der gesteigerte Badebetrieb an der Fulda ein Fest für sich verlangte. Der Name scheint mir von einer Verkleinerungsform von "zausen" zu kommen, die sich in dem in Kassel mundartlich gebräuchlichen "zisselen", insbesondere "verzisselen" betätigt hat: er hat sein Geld, seine Zeit verzisselt = für Nichtigkeiten ausgegeben, verwendet. Dazu kann natürlich auch das Vertrinken kommen. Ich habe wohl auch einmal gehört, daß die Anlieger der Fulda vor längeren Jahren an einem schönen Sommerabend in lampiongeschmückten Kähnen gemeinsam auf der Fulda gefahren sind und dazu ein Fäßchen Bier mitgenommen und fröhliche Lieder gesungen haben. Ob man solche Vergnügungen Zissel genannt hat, weiß ich nicht, halte es aber für möglich, und es mag auch sein, daß sich daraus der Sprachgebrauch "einen zisseln" für "einen trinken" gebildet hat. In der Unterneustadt befand sich in meiner Jugendzeit die große Stammgesellschaft "Dörfchen" bei dem damaligen Wirt Zahn, in der außer Unterneustädtern auch viele Gäste, so Lehrer am Gymnasium (Püttgen, Kius, Riedel) und Kammermusiker sowie bekannte Bürger (Optiker Heß) und viele Ärzte des Landkrankenhauses (Charite) verkehrten. Sie hatten unter Leitung des Kammermusikus Wittenbecher eine Kapelle gegründet und feierten stark besuchte und musikverschönte Bierabende, die Manchesterabende genannt wurden und stadtberühmt waren. Sie hatten also mit Fahrten auf der Fulda nichts zu tun, die von Gärtnern und sonstigen Schiffsbesitzern gemacht und Zissel genannt worden sein sollen". Der im Alter von 90 Jahren 1945 verstorbene Zolldirektor August Woringer, gleichfalls ein trefflicher Kenner Altkassels, beantwortete meine Frage mit folgenden Zeilen: "In meiner Jugend, etwa in den Jahren 1862-1866, habe ich den Zissel auf der Fulda mehrfach von der alten Brücke aus mit angesehen. Gewöhnlich wurde er von der "Liedertafel" und, wenn ich nicht irre, auch vom "Männer-Gesangverein" veranstaltet. Es wurde dazu ein, erforderlichenfalls auch noch ein zweites Sandschiff gemietet. Diese Schiffe brachten damals Fuldakies, der oberhalb Berghausens gebaggert wurde, zur Schlagd. Das Schiff wurde mit einigen Papierlaternen ausgeschmückt und vor allen Dingen mit einem nicht zu kleinen Fasse Bier versehen. So fuhr man etwa von der Stelle der jetzigen Drahtbrücke bis vor die alte Brücke und zurück, etwa eine Stunde lang, singend hin und her. Dann zog man in das betreffende Vereinslokal zum Schlußschoppen. Wie die Schiffe fortbewegt wurden, weiß ich nicht mehr, vermutlich durch Rudern. Das war ja bei der durch das alte Wehr verursachten Stauung der Fulda nicht allzu schwer. Flußabwärts ließ man sich treiben. Unter der Brücke durch wurde nicht gefahren, weil hinter der Brücke flußabwärts der Strom nach dem Mühlgraben der jetzt Vogtschen Mühle einsetzte. Ich habe später oft selbst dort gerudert, der Strom drängte stark nach dem alten Wehr hin. Auch bei der Durchfahrt zwischen den beiden Eisbrechern, den alten Brückenpfeilern, mußte des Stromes wegen aufgepaßt werden. Die Leute des Besitzers der Sandschiffe, des "Admirals" Schäfer - im Festzug des 18. Oktober 1863 fuhr er in Admiralsuniform in einem seiner Boote auf einem Wagen mit - leisteten diese Arbeit gegen Bezahlung und gute Verköstigung gern. Ob auch die Stammgesellschaft im "Dörfchen" soche Zissel veranstaltet hat, weiß ich nicht, glaube es aber kaum. Bestimmt weiß ich es aber nur von der "Liedertafel" und wahrscheinlich vom "Männer-Gesangverein". Selbstverständlich sammelte sich auf der alten Brücke und auf der Schlagd - auf das Rondel konnte man ja damals nicht hinauf - eine zahlreiche Zuschauermenge. Aber von einem allgemeinen "Volksfest" war keine Rede. Es war nur eine private und recht bescheidene Veranstaltung." P. H.

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